Knifflig: Tourismusmarketing für Israel

|

Gerade jetzt nach Israel reisen„Gerade jetzt nach Israel reisen!“, so wirbt derzeit das Staatliche Israelisches Verkehrsbüro in Berlin zusammen mit Superstar, der Feriengesellschaft der israelischen Fluggesellschaft EL AL. Das klingt grotesk, im Prinzip schon makaber. 

Nun, aus Marketingsicht gibt es natürlich eine Reihe von Interessensgruppen, die gerade jetzt am Fortbestand des Tourismus in Israel ein hohes Interesse haben: Fluggesellschaften, Hotels, touristische Attraktionen und viele mehr. Dass also trotz kriegerischer Auseinandersetzungen weiter um Gäste geworben werden soll, ist nachvollziehbar. Gerade jetzt, ja. Daher wird trotzig der Claim „Gerade jetzt nach Israel reisen“ forciert. Auch das ist in Ordnung, es fehlen aber die Argumente! Wer schon so wirbt, muss doch begründen, warum es gerade jetzt sinnvoll ist. Zwar kommuniziert das Verkehrsbüro, dass das touristische Leben in Israel nicht eingeschränkt ist, aber etwas mehr Begründungen zum wieso, weshalb, warum des „gerade jetzt“ fehlen.

So wird die Kampagne leider genau das Gegenteil ihres Ziels erreichen. Durch das nochmalige Erinnern wird ein Interessent weiter abgeschreckt, bestenfalls aber liese er sich auf überzeugende Argumente ein – beruhigende und vertrauensbildende Elemente jedoch fehlen. Die wären aber dringend nötig, wenn das abwechslungsreiche Land trotz Krise Gäste gewinnen möchte. Ängste und Unsicherheiten können nicht pauschal vom Tisch gewischt werden, darauf ist intensiv einzugehen. Dass das alles eine kleine Anzeige nicht leisten kann, ist klar. Dann aber muss die Feriengesellschaft zumindest auf ihrer Website darauf eingehen, aber auch das tut sie nicht.

Der Ansatz ist richtig, die Umsetzung ist mangelhaft. Mein Tipp: auch hier muss intensiver auf die Bedürfnisse der Kunden eingegangen werden. Offensiv mit dem „Problem“ umgehen und überzeugende Antworten und Lösungen finden. Gerade für den Krisenherd Israel wäre hier eine langfristige Strategie nötig, denn der Tourismus steht ja immer wieder vor einem ähnlichen Problem. Darauf darf nicht so hilflos wie in diesem Fall reagiert werden.

Kommentar hinzufügen

Your email address will not be published. Required fields are marked *


*